Die US-Ford der Jahrgänge 1949 – 51 gehörten einst nicht nur zu den recht verbreiteten Pkws in den USA, sie zählen auch zu den beliebtesten Ausgangsbasen für Custom-Projekte. Tolle Customs auf „Shoebox“-Ford-Basis gibt’s offenbar aber nicht nur in den der Vereinigten Staaten, wie der hier gezeigte 49er beweist.
Dave York, British Columbia, Kanada
Selbst Ende der Vierzigerjahre waren bei den meisten US-Autoherstellern noch immer die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zu spüren. Nachdem es eine kriegsbedingte Pause in der Produktion von Zivilfahrzeugen gegeben hatte – bei Ford vom Februar 1942 bis zum Juli 1945 –, basierten die Pkws aus Dearborn auch 1948 immer noch auf den 1941 eingeführten Modellen. Die wirkten inzwischen für den damaligen Zeitgeschmack allmählich aber nicht nur ziemlich altbacken, auch deren Fahrwerke mit den Querblattfedern und der vorderen Starrachse waren schon 1941 längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit gewesen. Dass die Ford Motor Company dringend einer Radikalkur bedurfte, das war also bereits seit langem mehr als klar abzusehen.
Die Zeichen der Zeit erkannt hatte 1946 auch eine Gruppe von zehn gut ausgebildeten Ex-Offizieren der US-Armee, die „Whiz Kids“, die Henry Ford II ihre Dienste in Sachen Management Consulting anboten – unter ihnen auch der spätere Ford-Präsident und US-Verteidigungsminister Robert McNamara. Mitte 1947 kündigte Executive Vice President Ernest Breech, den Henry Ford II 1946 von GM abgeworben hatte, an, dass es zum Start des 49er-Modelljahres im Sommer 1948 eine komplett neue Personenwagenpalette bei Ford geben sollte. Breech war es übrigens auch zu verdanken, dass Ford nach großen Verlusten wieder schwarze Zahlen schrieb.
Neu waren nicht nur die Karosserien der 49er-Ford-Modelle, die der Ex-Nash-Designer George Walker maßgeblich geschaffen hatte, sondern auch das Fahrwerk mit Schraubenfedern und Einzelradaufhängung vorne und Längsblattfedern an der Hinterachse. Was vom Vorgänger blieb, war kaum mehr als der altbewährte Flathead-V8 samt Getriebe. Tatsächlich kamen die neuen Ford hervorragend an, wie die mehr als 2,5 Millionen in den Modelljahren 1949 – 51 produzierten Exemplare belegen, und die neuen Modelle dürften wohl auch in nicht unerheblichem Maße dazu beigetragen haben, der Ford Motor Company nach dem Krieg das Überleben zu sichern.
Kino, Kartons und Kanada
Dass es angesichts dieser hohen Stückzahl dann auch zahllose Filme gab, in denen den Ford jener Tage eine Rolle zukam, ergab sich da fast zwangsläufig, und zu jenen Filmgastspielen zählte unter anderem auch der Auftritt im 1958 uraufgeführten Streifen „Thunder Road“ mit Robert Mitchum und dessen Sohn James. Im letzteren Fall war es ein 51er 2-door Sedan mit modifiziertem Flathead-V8, mit dem Robert Mitchum als Alkoholschmuggler „Lucas Doolin“ vor der Polizei und der Steuerfahndung flüchtete. Gerade bei den Sedans, wie er in „Thunder Road“ zu sehen war, wird aber auch deutlich, warum die Ford-Pkw jener Tage noch heute als „Shoebox“ bezeichnet werden.
Die Pontonform eines solchen „Schuhkartons“ mag ja durchaus praktische Vorzüge haben, aber im Serienzustand sehen die ersten wirklich neuen US-Ford-Sedans der Nachkriegszeit eher ein wenig unspektakulär aus. Aus einem „Schuhkarton“ lassen sich mit ein wenig Fantasie aber eine Menge toller Sachen basteln, wie jedes Kind weiß – und das gilt ganz offensichtlich auch für die klassischen „Shoebox Ford“, die später als günstige Gebrauchtwagen zahlreiche Autonarren und professionelle Customizer zu tollen Umbauten inspiriert haben. Offenbar gilt das aber selbst heute noch – und nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern ebenso beim nördlichen Nachbarn Kanada.
Der Bootsmotorenbauer Dave York aus der kanadischen Provinz British Columbia, die im Süden direkt an die USA angrenzt, bekam anno 2001 von ein paar Freunden Kunde von der leeren Hülle des hier gezeigten 49er Ford Custom Sedan. Der ausgebeinte Zweitürer war von Haus aus ein Modell mit der besseren „Custom“-Ausstattung gewesen und bereits seit 1949 in British Columbia beheimatet. Die Bezeichnung „Custom“ muss für den letzten Vorbesitzer wohl auch Programm gewesen sein, denn bereits dieser hatte das Dach um gute drei Zoll abgesenkt, um aus dem „Custom“ einen richtigen Custom zu machen. Sonderlich gut gelungen war ihm das – wie sich später noch herausstellen sollte – allerdings nicht.
Customized Custom
Dave hat das Ding jedenfalls gekauft und sich – nachdem sich gezeigt hatte, dass die Arbeit ziemlich stümperhaft ausgeführt worden war – dazu entschlossen, das Werk des Vorbesitzers nach seinem eigenen Geschmack im Stil der Mittfünfziger zu vollenden …
Mehr im Street Magazine Nr. 2-2011 …
Von Armin Kußler, Fotos: Stephan Szantai