Fast wie im Flugzeugbau ...
Bear Metal Kustoms, Morro Bay, Kalifornien
Von Andy Hajenski
Alte Flugzeuge und Hot Rods scheinen irgendwie zusammenzupassen. Auch der hier hat ein „Flugzeugthema“. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Niete.
Deutsche Sprache – schwere Sprache. Schon „Tschik“ Čajkovski, der legendäre Fußballtrainer, wusste das. Fangen wir also diesmal mit ein paar sprachlichen Feinheiten an. Eine Niete ist ein schlechtes Los oder ein Mensch, der nichts taugt. Das hauptsächlich im Metallbau eingesetzte Verbindungselement heißt dagegen nicht die Niete, sondern der Niet. Mehrzahl die Niete, nicht die Nieten. Auch wenn das fast alle falsch sagen. Im 19. Jahrhundert hatte der Niet Hochkonjunktur: der Eiffelturm, die alten amerikanischen Hochhäuser oder die alten amerikanischen Brücken, alle wären ohne Niete nicht denkbar, auch wenn inzwischen der Niet aus Kostengründen mehr und mehr von Schweiß- bzw. in letzter Zeit von Klebeverbindungen abgelöst wird. Ich liebe Niete! Die sind so „technisch“.
Offensichtlich teilt Jason Pall da meine Gefühle. Jason führt mit seiner Frau Rochelle die Firma „Bear Metal Kustoms“ in dem kleinen Fischerörtchen Morro Bay an der Küste von Südkalifornien. Aus der Hintertür der Werkstatt sieht man die Bucht. Jason hat das richtig gemacht. Nach 20 Jahren im Druckgeschäft, mit Autoschrauben am Wochenende und nach Feierabend, hat er seine Leidenschaft – Hobby wäre zu wenig gesagt – zum Beruf gemacht. „Bear Metal“ ist natürlich ein Wortspiel mit „bare metal“, blankes Metall. Der Bär kommt dabei aus dem Nachbarort Los Osos, wo Jason angefangen hat. Los Osos ist Spanisch für „die Bären“. Und wieder mal eine Fremdsprache gelernt …
Vor längerer Zeit hat Jason einen ziemlich vergammelten 27er-Chrysler-Body auf E-Bay entdeckt. Schon wieder E-Bay! Kauft denn irgendwer seine Autos auch noch woanders? Der Chrysler war schlecht, aber das war egal. Dafür war er selten. Es war wirklich nur der reine Body, ohne Rahmen, Motor und Achsen, ohne Hauben, ohne Kotflügel, sogar ohne Boden. Immerhin waren die Türen dabei. Behumse, wie so oft bei E-Bay, war also nicht. Da konnte man nichts schönreden oder Fotos schicken, auf denen das wie ein Neuwagen aussah. Jason fuhr den weiten Weg nach Denver, Colorado und zurück, um das Wrack zu holen.
Und dann stand das Auto – sofern man das schon Auto nennen wollte – erst mal im Hinterhof, mit den anderen Projekten. Bis nach ein paar Monaten der Zufall half. Bob Rohrer, ein recht erfolgreicher und deshalb „finanziell unabhängiger“ Farmer mit Autoleidenschaft, hatte viel von Bear Metal Kustoms gehört und wollte sich das mal ansehen. Jason hatte damals einen ganz heißen Ford T Hot Rod (demnächst auch in diesem Magazin) und den hätte Bob am liebsten gekauft. Leider passte er nicht rein …